Modernisierung (1848–1914)

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Der politische und wirtschaftliche Kontext

Zwischen 1848 und 1914 öffnete sich das Wallis der Moderne. Zahlreiche Veränderungen vollzogen sich auf politischer wie auf wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene. Die führende Schicht des Kantons sah sich zur Vergrösserung gezwungen, insbesondere unter dem Einfluss der Ausländer, die der Arbeit und eines besseren Lebens wegen hierher kamen. Das Wallis erlebte ein radikales Zwischenspiel und die Rückkehr der konservativen Katholiken, mit Alexis Allet als Wortführer. Bedeutende Debatten, wie die Schulfrage, bewegten die Zeit. Damals entstand ausserdem das Solidaritätsprinzip. Politisch-religiöse Vereinigungen trugen insbesondere dazu bei, das Wallis aus der Isolation zu bringen und die Bedeutung der Sozialfrage bewusst zu machten. Ab den 1890er-Jahren legte die Walliser Wirtschaft zu, namentlich dank der Eindämmung der Rhone, der Erschliessung durch die Eisenbahn und dem Ausbau des Strassennetzes. Die Landwirtschaft stand ebenfalls im Zentrum des Interesses, denn die Produktion musste gesteigert werden, damit sie der wachsenden Nachfrage gerecht werden konnte, und die Landwirtschaft rentabler gemacht werden. Mit Maurice Troillet begann in der Zwischenkriegszeit eine wahre Fortschrittsära in der Walliser Landwirtschaft. Der Tourismus bot dem Wallis zudem den Schlüssel zur modernen Welt. Ab den 1890er-Jahren kannte er einen ersten Aufschwung, besonders im Unterwallis. Dann entstanden, dank der Erschliessung durch die Eisenbahn, in allen grossen Tourismusorten des Kantons rasch Hotels. In diese Zeit fiel zudem die erste Industrialisierung mit dem Aufbau der Chemie- und Metallwerke. Im Übrigen blieb das Wallis auch nicht von der Welle der Sozialkonflikte verschont, welche die Schweiz zu Beginn des Jahrhunderts erfasste, und von den häufigen Streiks, vor allem im Arbeitermilieu.

Ein vergangenheitsbezogenes Bild

Am Vorabend des ersten Weltkriegs war das Wallis bereit für den Eintritt ins moderne Zeitalter. Dank dem Fortschritt hatten sich die Mentalitäten entwickelt, paradoxerweise hielt sich aber in der allgemeinen Meinung ein vergangenheitsbezogenes Bild des Kantons, ein Klischee, das später nur schwer abzuschütteln war.

Bibliographie

  • Histoire du Valais, Annales valaisannes 2000-2001, Sion, 2002


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