Überlebensstrategien im Winter

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Weinbergschnecke

Gewisse Tiere sind nicht besser gerüstet als die Pflanzen, um der kalten Jahreszeit zu begegnen. Die Körpertemperatur der Wirbellosen, der Reptilien, der Amphibien und gewisser Säugetiere richtet sich nach der Umgebungstemperatur. Trotz einigen Tricks, um die Wärme zu bewahren, sinkt ihre Temperatur unter die Schwelle normaler physiologischer Funktionsfähigkeit, sogar so tief, dass lebenswichtige chemische Reaktionen gar nicht mehr möglich sind. Die kaltblütigen Tiere (die "Ektothermen" der Wissenschaftler) sind in Wirklichkeit Tiere mit variabler Temperatur: sie treten bei der ersten Kälte in den Schlafzustand ein.

Inhaltsverzeichnis

...Überwinterung, ...

Bergbewohner, die noch mit Holz heizen, wissen, dass Florfliegen, Fliegen und Wespen im Erwachsenenstadium überwintern, weil sie sehen, wie diese in der milden Wärme des Hauses erwachen. Andere Insekten tun das gleiche, allerdings ohne sich im Holzstoss zu verkriechen: die roten Ameisen dringen tief in ihr unterirdisches Nest ein, während sich bei den Waldameisen— Ameisen der faulenden Schichten, die der Kälte ausgesetzt sind- das Blut mit Glyzerin anreichert, ein Frostschutz, der es ihnen ermöglicht, tiefe Temperaturen auszuhalten. Bei den Hummeln sucht die befruchtete Königin ab August bis September in einem Erdloch oder in einem Spalt an einem toten Baumstamm einen Schutz für den Winter. Einige Edelfalter, Heuschrecken der Gattung Tetrix und zwei Libellenarten der Gattung Sympecma, Winterlibellen genannt, die im Erwachsenenstadium überwintern, werden im Frühling die ersten Insekten sein. Die Weinbergschnecke, die zu voluminös ist, um sich so leicht in Ritzen oder unter der Erde verstecken zu können wie kleinere Schnecken, verzieht sich unter eine Laubschicht. Da dreht sie ihre Öffnung gegen den Himmel, sekretiert eine weissliche Flüssigkeit, die erhärtet und so einen Deckel bildet, den man im Frühling unter den verdorrten Blättern finden kann.

Andere Wirbellose überwintern als Larven: die Prozessionsspinner suchen in grosser Zahl Schutz in ihren Seidenkokons, die an den Spitzen der Föhrenzweige hangen. Die meisten Schmetterlinge verbringen den Winter als Raupen und die jungen Feldgrillen verkriechen sich in ihre Erdlöcher. Aber die Mehrzahl der Insekten überwintert in Form von Eiern, die dem Samen der Pflanzen entsprechen.

Um auch im Winter aktiv zu sein, müssen alle Vögel und die Mehrzahl der Säugetiere eine konstante Körpertemperatur halten. Eine Isolierschicht, entweder Fett oder ein gutes Überkleid, Fell oder Gefieder, genügt nicht. Es gilt, auch den Stoffwechsel zu fördern und genügend Kalorien aufzunehmen. Spitzmäuse verstecken sich unter dem Schnee und unter toter Vegetation, wo sie die Abfallfresser jagen, die in der Gärungswärme aktiv sind. Dem Beispiel der Reptilien und Amphibien folgend, haben sich Fledermäuse, Siebenschläfer, Gartenschläfer, Flaselmäuse, Murmeltiere und früher auch Bären für einen langen, sparsamen Schlaf entschlossen, dessen Dauer von einer Art zur anderen und von einer Region zur anderen variiert. So sind Grasfrosch und Mauereidechse beispielsweise die ersten ihrer Gruppe, die sich im Frühling in der Ebene zeigen.

...Migration ...

Rotmilan

Den Vögeln behagt keine der genannten Lösungen. Die Meisen, denen Insekten fehlen, stürzen sich auf Körner. Aber nicht alle Insektenfresser können das gleiche tun: eine grosse Zahl unter ihnen — der Wespenbussard, die Nachtigall oder die Grasmücken — muss unsere Regionen, die mit dem ersten Frost ungastlich werden, verlassen. Die lange Reise der Zugvögel zu ihren afrikanischen Winterstationen bedeutet eine enorme Leistung. Die Beschaffung von Fettreserven, die für den Flug nötig sind, kann nicht in letzter Minute improvisiert werden. Die innere Uhr, die sich nach dem Tageslicht richtet, gibt das Zeichen zum Abflug, lange bevor das Futter zu fehlen anfängt.

Die Wanderbewegungen beginnen schon im Juli, wenn ein Flussuferläufer oder ein Flussregenpfeifer auf den Ufern der kanalisierten Rhone erscheint, wo er sich allerdings nicht mehr vermehrt. Auf der Alp schweigen ab Oktober die Sperlingsvögel — sie sind weggeflogen: Steinschmätzer, Klappergrasmücken, Steinrötel und Kuckuck verliessen die Alp lange vor dem Vieh.Die Herbstwanderung der Zugvögel findet ihren Höhepunkt im September und Oktober und endet im November, wenn der Siebenschläfer eingeschlafen ist. Verschiebungen finden auch im Winter statt, allerdings nur innerhalb des Kontinentes: Flucht der Wacholderdrosseln vor dem Schnee, der Enten vor dem Frost und dem Zufrieren der Wasserflächen, das Hin und Her der Blässhühner zwischen den Seen.

Einige Schmetterlinge und Fliegen wie auch gewisse Fledermäuse haben gelernt, ihre grosse Mobilität auszunützen, um den Winter in milderen Gegenden zu verbringen.



...und andere Methoden

In der Stille, welche die Wintereinsamkeit anzeigt, und die von Zeit zu Zeit durch den Rufeines Wasserpiepers oder das Geckern eines Hänflings gestört wird, sammelt ein kleines Säugetier, die Feldwühlmaus, Reserven für ihren langen Rückzug. Ihre kleine Gestalt erlaubt ihr, unter der schützenden Schneedecke aktiv zu bleiben.

Siehe auch