Amphibien des Wallis

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Die Schwanzlurche

An seinen Wülsten und gelben Flekken erkennt man den Feuersalamander.

Die Schwanzlurche - Salamander und Molche — sind Amphibien, die mit einem Schwanz ausgerüstet sind und deshalb wieEchsen aussehen. Die ersten unterscheiden sich von den zweiten durch ihren wurstförmigen Körper.

Der Alpensalamander, dessen bedeutendste Population in einzelnen Sektoren der Berner Alpen über 1000 m lebt, verzichtet auf freies Wasser, schwärmt aber in grosser Zahl während Gewitterregen zwischen Juli und September aus. Die befruchteten Weibchen entwickeln nur ein bis zwei Embryone, die sie als selbständige, erdlebende Larven nach 3 bis 4 Jahren Tragzeit gebären: sie sind ovovivipar.

Der kräftigere Feuersalamander, schwarz, gelb gefleckt, steigt kaum über 1000 m und hält sich an eine eher klassische Art der Vermehrung. Das Weibchen "legt" im Herbst oder Frühling einige 2 bis 3 cm lange Larven ins frische, klare Wasser einer Quelle, eines ruhigen Bächleins oder in einen Brunnen. Die Larven gleichen jungen Molchen, unterscheiden sich aber von ihnen durch einen kleinen, hellen Fleck an den Ansatzstellen der Beine. Den Feuersalamander findet man im Chablais bis nach St. Maurice. Den Walliser Höhenrekord hält ein Salamander, der in 1043 m ü. M. bei La Barme oberhalb von Champéry gesehen wurde. Verschmutzung und vor allem das Verlegen von Bächen in Röhren haben seine Vermehrungsplätze zerstört.

Im grössten Teil des Kantons ist der Bergmolch der einzige Schwanzlurch. Man kann ihn leicht von den Salamandern unterscheiden an seinem eleganten Körperbau und den lebhaften Farben des Männchens: grau-blauer Rücken, oranger Bauch, an den Flanken ein weiss-schwarzes Schachbrettmuster. Er hält sich gerne mehrere Wochen im Weiher auf. Er lebt in Kolonien von einigen Dutzend bis einigen Hundert Individuen (den Bestandesrekord hält der See von Morgins, wo man 1985 mindestens 2000 zählte). Nach den Grasfröschen und den Erdkröten ist er sicher der häufigste unter unseren Amphibien.

Seine Populationen überleben in der Rhoneebene an einigen Wunderorten, nämlich da, wo ein Weiher am Fuss des Hanges so liegt, dass keine Ueberquerung einer Strasse nötig ist. Das ist der Fall beim Weiher von Le Rose! in Dorénaz, dessen Population allerdings von mehr als 1000 auf einige Dutzend Individuen gefallen ist.

An Seitenhängen unterhalb 1200 m ist er selten, weil günstige Orte fehlen und in jedem Gewässer Forellen ausgesetzt wurden. So wurde in Mayens-de-Riddes eine blühende Population von 100 bis 200 Individuen innerhalb weniger Tage durch etwa zehn Regenbogenforellen vernichtet, die man 1990 ausgesetzt hatte. Nachdem alle Molche gefressen waren, verendeten auch die Forellen durch Erstickungstod, weil sie, wie jedermann wissen sollte, in fliessendes Wasser gehören. Kurz, heute findet sich der grösste Bestand zwischen 1800 und 2100 m ü. M.

Der schönste und grösste unserer Molche, der Kammolch, verschwand 1983 vom letzten bekannten Standort im Wallis — dem Weiher von Le Rosel in Dorénaz - infolge der Absenkung des Grundwasserspiegels. Wahrscheinlich handelte es sich um eine endemische Unterart.

Die Froschlurche

Gelbbauchunke

Frösche und Kröten bilden die Kategorie der Froschlurche, die sich dadurch auszeichnen, dass sie als ausgewachsene Tiere keinen Schwanz besitzen. Die Gelbbauchunke, eine kleine, pustulöse Kröte mit herzförmigen Pupillen, besiedelte einst in der Rhoneebene fast jede Wasserlache und wich den grossen Gewässern aus. Bei der kleinsten Gefahr sprang die Gelbbauchunke in schmutziges Wasser von Wagenspuren oder in faulende Grabenwässer. Das sind ihre Vorzugsgebiete. Sie hielt sich nie an den Hängen auf, und die höchstgelegenen Aufenthaltsorte sind Les Planches ob Le Bouveret, Montorge ob Sitten und — Höhenrekord - Plex ob Collonges, doch da ist ihre Vermehrung nicht nachgewiesen. Ihr schwächlicher Paarungsruf tönt wie das ferne Gebell eines Hundes und bildet das beste Mittel, um sie zu lokalisieren.

Erdkröte, einem Regenwurm fressend.

Mit Pickeln hässlich besetzt, ist die Erdkröte der Prototyp jener Kröten, denen man nachts und bei Regenwetter begegnet, wenn sie, sich gemächlich bewegend, in Wiesen und Gärten nach Würmern oder Nacktschnecken suchen.

Weil die Weiher zugeschüttet wurden und die Wiesen verschwanden, wurde sie aus der Ebene, wo nur noch Reliktpopulationen von 5 bis 10 Individuen überleben, vertrieben. Seither sind es Weiher und Bergseen auf halber Höhe, welche die grossen Bestände aufgenommen haben, im Umkreis von weitläufigem Weideland auf 1000 bis 1500 m ü. M.: in Tanay, Derborence und im See von Morgins, 1985 mit mehr als lO'OOO Kröten die grösste Population der Schweiz. Diese Kröte scheint sich auch auf den Höhen von Savièse, Ayent und Lens zu halten, während sie die verstädterten Gebiete von Montana und Champex vor kurzem verliess.

Oberhalb von 1500 m war sie anscheinend immer nur an gewissen Orten vertreten, obwohl sie 2000 m erreichen und sogar übersteigen konnte, wie in Mattmark und Aroila — zwei heute zerstörte Vorkommen - und auf der Bettmeralp und in Gletsch, wo sie sich noch vermehrt. Der letztgenannte Ort war im vergangenen Jahrhundert eisbedeckt und konnte erst vor kurzer Zeit kolonisiert werden.

Wenn er quakt, kann man den Seefrosch gut von seinem Bruder Kleiner Wasserfrosch unterscheiden, denn seine Klangsäcke sind grau, wogegen letzterer weisse trägt.

Der Wasserfrosch ist wegen seinen weittragenden Konzerten und seinem Sommeraufenthalt im Wasser wohl der bekannteste Frosch. Früher war er in den ruhigen, warmen Gewässern der Rhoneebene reichlich vorhanden. Doch jetzt ist der kleine, sattgrüne Frosch mit der hellen Mittellinie auf dem glatten Rücken, die von zwei Längswülsten begleitet ist, im Wallis vom Aussterben bedroht. Es gibt ihn noch in einem kleinen Tümpel inmitten des Föhrenwaldes von Pfyn und an einigen Stellen in der Ebene des Chablais. Der Name Wasserfrosch schliesst eigentlich eine Gruppe von mindestens drei Arten ein: den Kleinen Wasserfrosch, den Seefrosch und den Teichfrosch. Letzterer, aus einerKreuzung hervorgegangen, kann sich nicht selbst vermehren. Den Seefrosch gab es in der Schweiz nicht. Er wurde um 1950 eingeführt und hat sich erfolgreich ausgebreitet in der ganzen Walliser Ebene und erreichte auch die unteren Gebiete der grossen Seitentäler von Visp und Bagnes. Er hat die beiden anderen Arten im Wallis fast verschwinden lassen, indem er ihre ökologische Funktion übernahm, und bedroht auch die übrigen Amphibien, von denen er einige sogar frisst. Christian Keim hat festgestellt, dass diese grosse, räuberische Froschart die Libellen von Le Verney dezimiert, wenn in trockenen Jahren die Larven der Wasserinsekten auf die kleinen Resttümpel konzentriert sind.

Grasfrosch.

Theoretisch sollte man den Grasfrosch im ganzen Wallis unterhalb von 2700 m antreffen. Seine Populationen in der Ebene wurden aber dezimiert. Die allgemeine Verwendung von Insektiziden, die Erweiterung des Strassennetzes, die Aussetzung von Forellen fast allenorts und die Konkurrenz des Seefrosches haben die Populationen, die an den unteren Hängen überlebt hatten und sich in der Ebene vermehrten, destabilisiert.

Zum Glück lebt dieser Frosch, der nur ins Wasser geht, um zu laichen, ganz gut in den Bergen. Er hält übrigens alle Höhenrekorde, mit Abstechern zum Riffelsee ob Zermatt (2757 m ü. M.), wo er sich allerdings nicht zu vermehren scheint; hingegen ist die Vermehrung nachgewiesen auf Lona im Eifischtal (2603 m ü. M.) und auf Tsofeiret im oberen Bagnes-Tal (2572 m ü. M.). In diesen Rekordfällen sind es überall Weiher, die auf gut exponierten Terrassen im Windschatten liegen. Vermutlich legen die Weibchen auf diesen extremen Höhen, wo die Eier nur zwei bis drei Monate Zeit haben, um zu reifen, nur jedes zweite Jahr.

Laubfrosch in vollem Konzert. Sein übergrosser Klangsack verursacht ein gewaltiges kekekekekekeke.
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1985 ergab eine Zählung im See von Morgins 1000 Grasfrösche. In Derborence hat 1991 ein plötzlicher Kälteeinbruch den Seespiegel so gesenkt, dass ungefähr 1000 im Eis gefangene Gelege gezählt werden konnten. Dieser Frosch verbreitet sich ringsum in entfernt liegenden Wiesen und Wäldern und zögert auch nicht, grosse Flüsse wie die Drance bei Le Châble zu überqueren. Er reagiert rasch, wenn sich gute Bedingungen einstellen: in Combioula unterhalb von Hérémence wurde eine Vertiefung nach einem Hochwasser sofort besetzt und bald laichten mehr als 200 Frösche darin.

Drei Jahreszahlen und drei Orte kennzeichnen das langsame Verschwinden des Laubfrosches, der um 1950 in Saillon, 1961 in Montorge und 1974 in Pouta-Fontana noch anwesend war. Der kleine, auf Bäumen lebende Frosch existiert nur mehr in Les Grangettes im Waadtland.

Siehe auch