Bergvögel

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Zwei Alpenbraunellen mit rostbraun gestreiften Flanken suchen Samen in den Gräsern auf einer alten Mauer.

Die Abnahme der Gattungen mit zunehmender Höhe ist im Winter noch angeprägter als im Sommer. Wenn die Zugvögel weg sind, versammeln sich Schneefinken und Alpenbraunellen, Birken- und Erlenzeisige zu kleinen Nomadengruppen, um gemeinsam die günstigsten Gefilde abzusuchen. Diese standorttreuen Vögel müssen die unterschiedlichen Bedingungen ausnützen, die ihnen von den abgestuften Biotopen an den Talhängen geboten werden.

Sobald die ersten Fröste einsetzen, hört man den schwachen, klagenden Ruf der Heckenbraunelle, die sonst Bergwälder undHeiden bewohnt, aus den Brachen der Ebene. Der Wasserpieper trägt seinen Namen zu Recht, denn er verlässt die Alpenweiden, um sich an den Ufern der Kanäle niederzulassen. Doch dieser kurze Aufenthalt in der Ebene zu Winteranfang ist nur eine Etappe auf dem Weg in den Süden.

Die Distanz zwischen Sommeraufenthalt und Winterfutterplatz hängt von lokalen Bedingungen ab. Ein Teil der Alpenbraunellen wohnt ganzjährig in den Bergen und lebt von verstreuten Abfällen um die Berghütten und Bergrestaurants. In guten Jahren versammeln sich 200 bis 250 Alpenbraunellen um die Weiler zwischen Nax und Eison und folgen der Schneeschmelze an Böschungen, auf Mäuerchen und in Gärten. Grosse Schneemengen treiben sie in die Dörfer, zusammen mit Goldammern, Meisen und Spatzen. Andernorts leben sie auf Steppenrasen und Wegböschungen und ernähren sich von Grassamen.

Auch die grossen Vögel, Steinadler, Mäusebussard und Kolkrabe, sind gezwungen, die hochgelegenen Sommerweiden zu verlassen, Wanderbewegungen im Reiferhythmus der Ernten ermöglichten.

Irrfahrt oder Vogelzug ?

Männlicher Kreuzschnabel.

Andere Arten lassen ihr Verhalten nicht vorausahnen. Kreuzschnabel, Birkenzeisig und Erlenzeisig verschieben sich in opportunistischen Banden, nützen eine reiche Ernte von Koniferensamen oder von Birken und Erlen aus, halten sich mal hier, mal dort auf. Die Unregelmässigkeit ihrer Verschiebungen ist auf ein Mischverhalten zurückzuführen. Einige Populationen wandern wirklich aus, andere folgen bloss den lokalen Verschiedenheiten der Fruchtbildung. Dieses Verhalten sollte sie eigentlich veranlassen, die Einrichtungen für die Winterfütterung aufzusuchen.

Ein solches Verhalten zeigt der ebenfalls körnerfressende Zitronenfink, der an der oberen Waldgrenze nistet, deutlich. Ein Teil seiner Bestände zieht nach Südfrankreich und lässt einige Überwinterer zurück, die versuchen, in ihren Heimatwäldern zu überleben. Diese sind rar, scheu und über grosse Waldgebiete zerstreut und entziehen sich deshalb jeder Zählung. Man würde sie gar nicht bemerken, wenn nicht der Schnee sie zwingen würde, in etwas dichteren Flügen die Umgebung der Häuser aufzusuchen, um sich auf Brennesselbeeten, Birken und Unkräutern in Gemüsegärten niederzulassen. Eine Folge milder Winter ist den hier bleibenden Vögeln förderlich, doch ein harter Winter kann das Gleichgewicht zugunsten der Zugvögel ändern, die dann mehr Nachkommen haben. Die Unterschiede in den Lebensgewohnheiten, die genetisch fixiert sind, verstärken die Anpassungsfähigkeit der Arten.

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