Einige Gedanken

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Inhaltsverzeichnis

Vom Privatgarten...

Gewisse Fledermäuse begnügen sich mit wenig Platz hinter einer Blechwand oder einem Riss in einem Backstein, um unterschlüpfen zu können. Eine Lücke unter einem Dachziegel genügt den Seglern, um ihre Brut aufziehen zu können. Ein kleiner Gartenweiher, ein Trockenmäuerchen nehmen Libellen und Eidechsen auf. Kröten, Igel und Spitzmäuse finden Schutz unter einem Holzhaufen oder in einem Komposthaufen aus dürrem Laub. Die Unterschlüpfe, die früher in Bauten vorhanden waren, müssen wiederhergestellt werden. Doch die Unterkunft allein genügt nicht! Ein Tier muss sich weiss Gott auch ernähren können: Kröten, Igel und Spitzmäuse sind von Nacktschnecken und Würmern abhängig; Fledermäuse, Segler, Libellen und Eidechsen verlangen nach Mücken, Käfern und Faltern. Statt gezüchteten Tulpen, Edelrosen, Thuya und gepflegtem Rasen brauchen wir wieder Naturblumenwiesen, Holun der, Weissdorn und einheimische Vogelbeerbäume, die zudem den Verlauf der Jahreszeiten angeben.

...über öffentliche Anlagen...

Seien es Flachdächer, provisorische Deponien, Rangierbahnhöfe oder Schaltwerke, Golfplätze oder Stadtparks — die öffentlichen Anlagen sind weit grossräumiger als die Umgebung von Einfamilienhäusern. Eine grössere Biomasse, anspruchsvollere Tierarten könnten Industriezonen und Sportplätze kolonisieren, vorausgesetzt, sie seien nicht durch masslose Asphaltierung, durch Zierrasen, kurz durch übertriebene Pflege steril gemacht worden. Da könnten Mäussebussard und Turmfalke, Waldohreule und Schleiereule, Wühlmäuse und Waldmäuse jagen; Neuntöter und Spitzmäuse würden Heuschrecken und Käfer fangen.

...zu den Strassenböschungen

Selbst auf einer kläglichen Strassenböschung, in unmittelbarer Nähe eines Moto-Cross-Parcours oder eines Schiessstandes, könnte sich Schwarzkehlchen oder Dorngrasmücke aufhalten, wenn nur eine gewisse Unordnung herrschte. Mehr als Ruhe braucht die Fauna Lebensraum, Unterschlupf und Futter. Muss aus Sicherheitsgründen eine Fläche gemäht werden, sollte man wenigstens auf die mörderischen Häcksel- und Saugmaschinen verzichten, die alles kleinhacken bzw. die wenigen Überlebenden noch verschlucken.

Vorrang sollen die Ufer der Kanäle und Flüsse...

Kanäle und Flüsse spielen eine Schlüsselrolle: ein grosser Teil der Fauna dieser Lebensräume hat sich auf natürliche Weise der linearen Struktur, in die wir das Gelände zwängten, angepasst. Damit unsere Hochwasserablaufkanäle zu Flüssen werden, die Fische und Amphibien, Krebse und Rohrsänger aufnehmen können, ist nicht viel Platz nötig. In vielen Fällen genügt eine kleine Erweiterung des Querschnittes, um den Abflussverlust auszugleichen, der durch dichte Ufervegetation entstehen würde, die ausreichend wäre, um den Wasserläufen wieder Leben zu verleihen. Voraussetzungen für eine solche Massnahme wären, einen der Uferwege aufzuheben, die benachbarten Grünflächen neuzustrukturieren oder darauf zu verzichten, die Uferwälder vor Überschwemmungen zu schützen.

...und die Landwirtschaft haben

Die Landwirtschaft bietet ein noch grösseres Potential. Es genügt, das Gras zwischen den Reben wachsen zu lassen und Pestizide sorgfältig und zurückhaltend zu gebrauchen, damit Ortolan und Heidelerche die Rebberge besiedeln. Feldgrillen und Maulwursfgrillen, Schmetterlinge und grosse Heuschrecken würden in den Obstkulturen wieder den Wiedehopf und die Zwergohreule ernähren. In den Intensivkulturen, deren Ernten nicht mit den Lebenszyklen der Wildtiere übereinstimmen, könnten Streifen von Brachen Zuflucht bieten. Wenn wir uns auf die Zeit vor den roten Listen beziehen, müssten mindestens fünf bis zehn Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche beansprucht werden, um eine optimale Vielfalt von Biotopen zu schaffen. Für die anspruchsvollsten Arten dürfen wir uns keinen falschen Illusionen hingeben.

Siehe auch