Enten frieren

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Die Weiher von Leuk, Pfyn, Montorge, der alte Rhonelauf bei Saxon, die Tümpel von Le Verney bei Martigny und der See von Morgins sind gefroren. Alle Feuchtgebietsbewohner - Enten, Taucher, Rallen, Teichhühner und Reiher — sind in mildere Gefilde entflogen, nur Pouta-Fontana hält sie zurück. Seinen Reichtum verdankt dieses Reservat dem nie zufrierenden Weiher und seinem vor Störungen geschützten Kanal.

Reiherenten mit den weissen Seitenfedern, Tafelenten mit rotem Kopf und grauem Rücken, Kolbenenten mit rotem Kopf und braunem Rücken sowie, nahe dem Röhricht, einige langhalsige Haubentaucher, die regelmässig auf dem Genfersee überwintern.

Der Hochwinter mit seiner Hundekälte schränkt die Aufenthaltsmöglichkeiten ein. Die Ornithologen nutzen dies und orga-nisieren zwei Winterzählungen der Wasservögel, quer durch ganz Europa, jeweils am zweiten Sonntag im Januar und März. Im Wallis ergab die Zählung, dass sich 150 bis 300 Stockenten in Pouta-Fontana aufhalten, oft in Gesellschaft von einem Dutzend Krickenten, etwa hundert Blässhühnern und einigen Graureihern. Die Kanäle der Ebene, vor allem der Stockalper-Kanal, beherbergen höchstens einige Dutzend Stockenten. Auf dem Genfersee sind zahlreiche seltene Gäste zu beobachten: Zwergsäger, Seetaucher, Schellenten, Tausende Reiherenten und Kormorane. Gänsesäger, Tafelenten, Reiherenten und verschiedene andere Enten tauchen im Winter gelegentlich im Mittelwallis auf; meistens handelt es sich um Fremdlinge oder Irrläufer wie jenen Gänsesäger, der während zwei Wochen bei Sitten auf der Rhone weilte, zu Weihnacht 1990, oder den Zwergsäger auf Pouta-Fontana im Februar 1991. Man sieht sie häufiger anlässlich ihrer Frühjahrs- und Herbstzüge. Pouta-Fontana ist für das Wallis dasselbe wie der Genfersee für Europa: ein Zufluchtsort ersten Ranges.

Der Kormoran hat, im Gegensatz zu den Enten, keine Drüsen, die wasserabstossendes Fett produzieren: um sein Gefieder zu trocknen, muss er sich deshalb der Sonne und dem Wind aussetzen.

Graureiher und Lachmöve gehören natürlich auch zu den Wasservögeln, wenngleich sie ihre bescheidene Kost ausserhalb der Brutzeit gerne auf Feldern suchen: ersterer schnappt sich Mäuse, letztere Würmer, die beim Pflügen zutage befördert wurden. Wenn die Schneedecke nicht zu mächtig ist, überwinternReiher in beachtlicher Anzahl auf den weiten, gepflügten Feldern des Chablais und des Oberwallis. Lachmöven kommen von Zeit zu Zeit bis nach Siders und verweilen auf der durch Kiesgewinnung bei Riddes und Sitten beruhigten Rhone. Die Abfälle der Ken riehtverbrennungsanlage von Uvrier halten gelegentlich einige zurück. Aber ihr Aufenthalt ist von kurzer Dauer. Selbst wenn sich ihre Gegenwart über mehrere Tage zu erstrecken scheint, fliegen die Möven doch jeden Abend zum Genfersee zurück. Sie ziehen es vor, auf hoher See in Sicherheit zu schlafen. Seit 1992 zeigen sich immer häufiger Kormorane im Mittelwallis. Sie fischen in der Rhone und in Kiesgrubenweihern.

Vor noch nicht langer Zeit war es dem Zwergtaucher möglich, im sauberen Wasser einzelner Kanäle mit dichter Ufervegetation zu überwintern. Heute zerstören übertriebene Unterhaltsarbeiten die Schutzvegetation und vertreiben jegliches Leben von den Kanälen. Da, wo ausserhalb der Reichweite des mechanischen Arms einer Mähmaschine noch ein Schilfstreifen stehenbleibt, beleben ein paar kleine, insektenfressende Sperlingsvögel die Ufer der Gewässer in der Ebene. Hier ein Rotkehlchen, dort ein Zaunkönig, den man für eine Spitzmaus halten könnte, weil er so behende durch die Halme schlüpft. Nicht zu vergessen die stets anzutreffende Blaumeise, Trapezkünstlerin auf vertrockneten Stengeln, Vertraute des Röhrichts, in welchem sie die Schäfte des Schilfs nach Insekten absucht. Hier werden ab Februar-März die ersten Zilpzalpe auf ihrem Rückflug Halt machen; vorausgesetzt, niemand habe diese herrliche Wildnis abgebrannt.

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