Grillen, Schrecken and Co.

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Ein Gartenschläfer am Eingang zu einer Spechthöhle. An seinem Gesichr kann man ihn vom Siebenschläfer unterscheiden.

Es wird Nacht und die Luft erfüllt sich mit dem sanftem Lärm von tausend Waldgrillen. Auf dem kürzlich gemähten Kornfeld liegen langgestreckte Mahden bis hin zum dunklen Wald, der den Hang bedeckt. Eine alte, mit Büschen bewachsene Mauer zeigt die Grenze an zwischen den Kulturen und dem Kiefernwald. Plötzlich gellt ein Schrei durch das Grillenkonzert. Schwache, wiederholte Rufe lassen an Siebenschläfer denken. Nach 300 Metern Annäherung bleibe ich unbeweglich stehen und erwarte, dass das Konzert neu beginne. Die Töne kommen aus einer Mauer. Und auf einmal wagt sich ein kleiner, maskierter Bandit aus seinem Versteck: ein Gartenschläfer. Er rennt aufs Feld, packt eine liegengebliebene Ähre und verschwindet umgehend in seinem Loch. Es sind ihrer zwei, drei vielleicht auch vier, die so vergessene Ähren sammeln. Ich stelle mir den Uhu vor, der den Waldrand absucht nach einem Gartenschläfer, einem unglücklichen.


Inhaltsverzeichnis

Grillen, Schrecken und Co.

Bunter Grashüpfer
Die Kurzfühlerschrecken haben kurze Fühler, einen fasr unsichrbaren Legestachel und ein Trommelfell, das über dem ersten Segment des Abdomens liegt. Sie produzieren ihren Gesang durch wiederholtes Reiben der hinteren Oberschenkel an einer besonderen Äderung des Flügels: es ist das Prinzip des Bogens und der Violine. Alle sind Pflanzenfresser.

Gewöhnliche Strauchschrecke
Bei den Langfühlerschrecken sind die Fühler oft länger als det Körper. Der Legestachel verlängert den Hinterleib des Weibchens und gleicht einem gekrümmten Säbel. Das Trommelfell liegt — auf den Vorderbeinen. In dieser Gruppe ist das Klanginstrument demjenigen der Feldgrillen nachgebaut; ein abgeänderter Flügel — der linke Deckflügel bei den Heuschrekken, der rechte bei den Grillen — wird gegen den anderen gerieben, der als Klangboden dient.

An trockenen Hängen mit von der Sonne vergoldetem Gras, auf grünen Wiesen der Maiensässe, durch Heiden von Wacholderbüschen, auf Alpenrasen, überall ertönt das Summen von Insekten.

Unter ihnen sind die Geradflügler ein Verein für sich: die allseits bekannte Grille, die Heuschrecken oder Heupferdchen wecken schöne Erinnerungen. Das monotone Zirpen des Grossen Heupferdes oder des Weinhähnchens erinnern an milde Sommerabende. Das Knistern der Grillen ist mit dem Duft von frischem Heu verbunden, und die Flüge der bunten Odlandschrecken in Rebhängen und Aprikosenhainen lassen uns zurückdenken an die vergangenen Zeiten des Jätens von Hand. Das sind jene "Mistviecher", die während einer wohlverdienten Ruhepause unser nachlässig ins Alpgras geworfenes Hemd durchlöcherten.Mit den Sommerinsekten Hörkontakt aufzunehmen, ist in unserer lärmigen Zivilisation schwierig geworden. Sind die Heuschrecken, die Stimmen der Sommernächte, dazu verurteilt, aus dem allgemeinen Gedächtnis zu verschwinden? Vielleicht bleibt bald nur noch das Andenken zurück an die Verwüstungen, welche biblische Wanderheuschrecken anrichteten, die es übrigens im Wallis im letzten Jahrhundert sehr wohl noch gab, und an den Abscheu, der uns packte, wenn Johannes der Täufer Heuschrecken ass... Es ist leicht, einige fesselnde und verschiedene Arten kennenzulernen, die alle ihre Eigenheiten, anatomische, ökologische oder - musikalische aufweisen: die Italienische Schönschrecke mit den rosafarbenen Flügeln, die lärmige Rotflügelige Schnarrschrecke oder die scheue, elegante Sichelschrecke.

Eine ökologische Rolle ersten Ranges

Die Geradflügler verdienen unser Aufmerksamkeit nicht nur wegen ihrer Musik. Ihre Anzahl und Gestalt verleihen ihnen eine grosse ökologische Wichtigkeit. Weil sie oft schwer und dick sind, haben sie einen hohen Nährwert, wie man aus einer 10'000 Jahre alten Felszeichnung - der ältesten ihrer Art - in der Höhle von Ariège schliessen kann. Wenn sich auch unsere Ernährungsbräuche geändert haben, bilden diese lieblichen kleinen Tiere dennoch die Basis zahlreicher Nahrungspyramiden, und das umso mehr, als ihre Biomasse unglaublich gross ist. Auf den Alpenrasen etwa kann das Gewicht der Geradflügler, bezogen auf die Hektare, gleich gross sein wie dasjenige des Viehs.

Zwei Gewölle eines Wespenbussards, die aus lauter Hinterbeinen von Geradflüglern bestanden und die auf über 2400 m ü. M. im Réchy-Tal gefunden wurden, beweisen die Wichtigkeit dieser Insekten, die übrigens auch Fuchs und Dachs, Turmfalke, Alpendohle und Kolkrabe interessieren. Tiefer im Tal bläst die Heuernte zur Jagd. Kaum ist das geschnittene Gras weg, bedienen sich Krähen und Raben, Stelzen und Stare so, dass das Menü ihrer Gelege sich von einem Tag zum andern ändert. Sogar nachts sind die Heuschrecken in Gefahr, weil das Kleinmausohr vorübergehend die Jagd auf Beissschrecken, die grauen Heuschrecken der Steppen, aufgeben, um sich auf die Grosse Höckerschrecke auf den gemähten Wiesen zu konzentrieren. Die Übermacht der Räuber hat die Entwicklung von Tarnfarben gefördert: im Gras die grünen Heuschrecken, braune oder gescheckte Heuschrecken an trockenen Hängen, Grau- und Blautöne kombiniert mit dem Aufblitzen der bunten Flügel verwirren die Räuber bei den Ödlandschrecken nackter Böden.

Unter den Räubern darf man die Grabwespen nicht vergessen, jene kleinen Wespen, die ihre Larven ausschliesslich mit Geradflüglern ernähren, auch nicht die unzähligen Parasiten wie die kleinen roten Milben, die gewisse Individuen befallen und ihnen buchstäblich das Leben aussaugen oder, noch schlimmer, jene Maden, die ihre Wirte lebend von innen her verzehren.

Heuschrecken und Grillen beobachten

Weibchen einer Grossen Höckerschrecke beim Eierlegen.
Weibchen eines Warzenbeissers beim Sonnenbad: das rechte Hinterbein ist ethoben, das linke gesenkt, um von det mageren Herbstsonne eine möglichst grosse Körperoberfläche bescheinen zu lassen. Hier ein brauner Typ; die meisten Warzenbeisser sind grün.

Wiesen, ...

Den Musikanten des Sommers begegnet man in der Rhoneebene nur noch vereinzelt und in kleiner Zahl auf den seltenen Wiesen, es sei denn, sie hätten sich auf Brachen gerettet: Ufer der Rhone und Kanäle oder auf Strassenböschungen, die nicht zu oft geschnitten werden.

Der Gemeine Grashüpfer, eine kleine dunkelgrüne Heuschrecke mit einem kleinen schwarzen Fleck unter den Augen, mit sehr kurzen Flügeln, ist noch weit verbreitet, aber sein Gesang srr srr srrrr ist so unauffällig wie seine Gestalt, und deshalb beachtet man ihn auf fetten Wiesen kaum. Unmöglich, ihn mit der Kleinen Goldschrecke zu verwechseln, deren Weibchen seinen Namen zu Recht trägt.

Steigt man ein wenig die Hänge hinan oder in die Seitentäler, wird man den Gebirgsgrashüpfer, oft in grosser Zahl, aufstöbern. Er ist eine mittelgrosse Heuschrecke, die bis auf 2000 m ü. M. steigt und mit leicht knisterndem Flug, ein schwaches Klappergeräusch erzeugend, flüchtet. Wenn er sich setzt, beginnt sein Lied mit einem rauhen, gefolgt von einem milden Ton: trr dsch trr dsch trr dsch.

Welcher Unterschied zur 'Grossen Höckerschrecke (maximale Höhe auf 2600 m), die mindestens dreimal so dick ist! Ihre reich dekorierten Hinterbeine erzeugen einen kräftigen und charakteristischen Klang, der an einen Wecker erinnert, der beim Aufziehen nach jeder dritten Schlüsseldrehung losgeht: trr trr trr dssssssssch trr trr trr dssssssssch.

Auf trockenen Wiesen und Weiden und auf Wacholderheiden taucht ein neuer Geselle auf: der Warzenbeisser (maximale Höhe auf 2400 m), der den Namen seinem alten Ruf als Warzenheiler verdankt. Untersetzt, stämmig, fleischig (4,5 cm), schön dunkelgrün gefärbt, lässt der Warzenbeisser seinen schrillen Ruf von anfangs Juli an auf den Wiesen hören. Seine volltönenden tsic tsic tsic lässt er vom Boden aus erklingen. Sie sind fast so laut wie diejenigen der grünen Heupferde. Doch sind die einzelnen Töne deutlich voneinander getrennt.

Die meisten Heuschrecken musizieren viel diskreter. Man muss schon die Ohren spitzen, um die Sirene des Heidegrashüpfers (maximale Höhe auf 2600 m) zu vernehmen: siiiiiiiiüüüiiüisimmnuuunusiiüiii. Man muss lange den Boden absuchen, um diesen Geiger zu entdecken, der seine Beine unabhängig voneinander bewegen kann; einmalig bei unseren Heuschrecken, aber hilfreich beim Bestimmen.

...an Ufern, ...

Die Türks Dornschrecke und die Fluss-Strandschrecke leben nur noch in ganz geringer Zahl längs der Rhone bei Pfyn, auf den Sandbänken, die durch die jährlichen Hochwasser durchwühlt werden. Wie andere Pionierarten sind sie an die steten Zerstörungen, die immer noch hier und dort einen Zufluchtsort übriglassen, so gewöhnt, dass sie weder die Sicherheit der Dämme noch die systematischen Kiesbaggerungen ertragen: lassen wir ihnen doch einige wilde Flussarme übrig!

...in Sümpfen, ...

Die Lauchschrecke ist eine wunderschöne grüne Heuschrecke mit schwarz unterstrichenen Augen. Feuchtigkeitsgebunden, ist sie im Chablais verbreitet und lebt flussaufwärts von St. Maurice in einigen Feuchtwiesen bei Ardon, Sitten, Pouta-Fontana, Salgesch, Leuk und Raron. Rechnen Sie nicht mit ihrem Gesang, um sie zu finden, denn sie ist stumm!

Die Langflügelige Schwertschrecke, ein Hüpfer, der auf dem Rücken eine dunkle, gelbumrandete Linie trägt, spielt Verstecken mit dem Beobachter, indem er sich immer auf der Rückseite eines Halmes niederlässt. Er ist auf Binsen angewiesen, weil die Weibchen ihre Eier in weiche oder hohle Stengel legen. Er kann häufig sein auf feuchten Wiesen, Seggenrieden oder Pfeifengraswiesen. Da er mindestens bis auf 900 oder 1000 m steigt, findet er noch zahlreiche Plätze oberhalb der Rebhänge. Die Populationen sind aber weit verstreut. Der Hochzeitsruf, den man als zlizlizlizlizlizlizli wiedergeben könnte, ist so schwach, dass man ihn nur hört, wenn man den Hüpfer bereits entdeckt hat.

Man kann die Übersicht über die Sümpfe nicht beenden, ohne die Sumpfschrecke, erwähnt zu haben. Diese grosse Heuschrecke, 2—3 cm lang, unterscheidet sich von der Grossen Höckerschrecke durch ihre gelben Hinterbeine und vor allem durch das ganz besondere Geräusch, das sie von sich gibt, das aus einer Reihe von tsek tsek tsek tsek tsek besteht und an die über dem Sumpf zerplatzenden Gasblasen erinnert.

Sie bewohnt feuchte Zonen mit niedriger Vegetation und ist deshalb immer nahe am Wasser anzutreffen. Anfangs des Jahrhunderts wurde sie aus Sitten gemeldet. Nun überlebt sie in der Rhone-ebene bei Turtig in einer kleinen, sumpfigen Pferdeweide und bei Les Grangettes im Waadtland. Weitverbreitet ist sie noch in Bergmooren und -sümpfen bei Champex, Essertses, auf der Bettmeralp und dem Simplon. In Tortin und bei Ar du Tsan zählt man sie noch zu Tausenden, während man andernorts nur wenige Dutzende von ihnen in kleinsten Sümpfen inmitten von Alpweiden findet.

Die Roesels Beissschrecke, eine kleine grüne Heuschrecke mit kurzen, durchsichtigen Flügeln erreicht ihre grösste Dichte auf feuchten Wiesen, Seggenriede und Pfeifengraswiesen oder auf gewissen Brachen mit dichter Vegetation. Aber man vernimmt ihr durchdringendes, spitzes und nicht enden wollendes Zirpen auch auf Mähwiesen.

...in Büschen und hohen Gräsern, ...

Es ist schwierig, die scheue Laubholz-Säbelschrecke, die im hohen Grase lebt, zu beobachten. Das Männchen erkennt man an den hinteren roten Anhängseln.

Der kühle Waldschatten behagt den Geradflüglern nicht. Nur die Gemeine Eichenschrecke hält sich darin auf und wählt mit Vorliebe warme, lichtdurchflutete Eichenwälder, an deren sonnenbeschienenen Rändern sie sich aufhält. Als Ausnahme unter den Heuschrecken singt sie nicht. Sie trommelt mit den Hinterbeinen oder dem Hinterteil auf das Eichenlaub, auf dem sie lebt. Man sieht sie gegen Ende Sommer, wenn sie vom Licht angezogen in die Wohnungen eindringt. Ihre nicht enden wollenden Fühler, eine helle Linie auf dem Rücken und - bei den Männchen — ringförmige hintere Anhängsel ermöglichen eine rasche und sichere Bestimmung. Sie ist ausschliesslich baumbewohnend, legt ihre Eier in Baumrinde und ernährt sich von Insekten.

Einige Heuschrecken, die auf Büsche und hohe Gräser angewiesen sind, leben an den warmen, gut exponierten Rändern der Eichen- und Föhrenwälder. Die Punktierte Zartschrecken und die Laubholz-Säbelschrecke singen leise, sind nachtaktiv, entgehen meistens der Beobachtung und erscheinen nur im Fangnetz. Die Gewöhnliche Strauchschrecke und das Weinhähnchen suchen auch die Deckung von Büschen und hohen Gräsern auf, aber das tsrip der ersteren, die dank den Gärten bis in die Städte gelangt und das melodiöse und melancholische srüü srüüü des zweiten ermöglichen, sie zu finden. Letztere erfüllen die Nächte an der unteren Borgne, auf Valeria und Tourbillon, bei Ardévaz und allgemein an den trockenen Hängen, wo Dutzende von Individuen einander unaufhörlich antworten.

Mit seinem Kindersäbellegerohr ist das Grüne Heupferd die grösste, beeindruckendste und bekannteste unserer Heuschrekken. Es ist im ganzen Wallis verbreitet und erreicht an gut exponierten Hängen Höhen von 1800 bis 2000 m. Wenn man es auch wenig beachtet, es gehören zwei Arten dazu. Die erste, die Zwitscherschrecke, lebt von Martigny an talabwärts und benötigt viel Feuchtigkeit. Sie unterscheidet sich von ihrer Zwillingsschwester Grünes Heupferd durch kurze Flügel, die ihr ein gedrängtes Aussehen verleihen und das Fliegen verunmöglichen: vielleicht ist sie deshalb weniger baumliebend. Ihr nicht so lautes Lied hat einen rascheren Rhythmus.

Mit den langen Flügeln, die ihm Eleganz verleihen, kann das Grüne Heupferd mehrere Meter weit fliegen. Trotz seiner Grösse ist es schwer zu sehen, aber seinen kräftigen Gesang hört man sogar in einem fahrenden Wagen.

Obwohl es pflanzenfressend ist, verzehrt es doch gerne von Zeit zu Zeit ein Insekt und klettert auf hohe Gräser, Gebüsche und Bäume, um zu singen. Es stellt die Musik in einer Sommernacht aus dem Lindenbaum vor Ihrem Fenster sicher, wenn die Grillen verstummt sind und sterben. Es singt von Juli bis Oktober, aber nie vor Mittag, weil es nachtaktiv ist. Von September an unterbricht es seine Konzerte und musiziert nur noch in den wärmsten Nächten, während es bis Mitte August nicht einmal ein heftiges Gewitter zum Schweigen bringt. Gegen Ende Sommer, wenn die Populationen in der Ebene noch fröhlich singen, verlangsamen diejenigen der Maiensässe den Rhythmus ihrer Klänge, weil die Kälte sie träge macht.

Einer kleinen grünen Heuschrecke — ihr Grün ist so zart wie ihr Körper zerbrechlich ist -, der Vierpunktigen Sichelschrecke, begegnet man auch in den Büschen und auf hohen Gräsern. An ihren kurzen Hinterflügeln erkennt man sie sofort.

...in Trockenzonen, ...

Ödlandschrecke

Auf den trockensten Böden, die wegen Wassermangel oder der Erosion fast nackt sind, begegnet man fast nur Hüpfern: die Rotflügelige Ödlandschrecke, mit den schwarzen Rändern an den roten Flügeln, sucht Felsgelände auf wie die Geröllhalden der Quarzite von Combioula unterhalb von Héremence oder die Felsplatten an der Sonnenhalde. Wie ihre blaue Ausgabe, die Blauflügelige Ödlandschrecke, lebt die Rotflügelige auch an Erosionsböschungen von Strassen oder auf Naturwegen. Hier finden sie Verbindungswege zu im übrigen ungünstigen Regionen. Ich erinnere mich, einer Ödlandschrecke während mehr als einer halben Stunde zugeschaut zu haben, wie sie mitten auf dem alten Weg nach Mayens-de-Riddes Eier legte; das war vor dem Teerbelag. Man kann sie auch höher oben, etwa um 1700 m ü. M., antreffen.

Unter den buntflügeligen Ödlandschrecken erkennt man die Kreuzschrecke an der gelblichen Farbe ihrer Hinterflügel. Diese Art, die zu Beginn des Jahrhunderts noch auf Follatères und in der Gegend von Siders vorhanden war, überlebt in der Schweiz nur noch im unteren Tal der Borgne.
Die Alpine Gebirgsschrecke, eine kleine Heuschrecke mit grünen Fühlern, lebt in Hochstaudenfluren. Seltsamerweise fehlt sie im Mittelwallis.

Die Blauflügelige Sandschrecke bewohnt die nämlichen Gebiete; ihre völlig blauen Flügel sind an den Rändern aber fast durchsichtig. Sitzt sie, erkennt man sie am konkaven Genick, das einem Pferdesattel gleicht. Konnten Sie sich ihr nicht nähern oder sie nicht erhaschen, müssen Sie bedenken, dass sie besser fliegt als alle anderen Ödlandschrecken. Auf ihrer langen Flucht lässt sie ein leichtes Zirpen vernehmen. Ihre Verteilung verrät hohe thermische Anforderungen: sie lebt im wesentlichen rechts der Rhone, lokal auch in der Ebene von Pfyn, und steigt nicht hoch an den Hängen. Sie bewohnt nie Strassenränder, gelegentlich aber die Narbe eines verlassenen Steinbruchs mit steinigem, trockenem, nacktem Boden, den sie dank ihren Flügeln sogar mitten in einem Wald erreicht.

Schliesslich noch die Italienische Schönschrecke mit den rosa Flügeln die, so könnte man meinen, die Nachbarschaft einiger Gräser unbedingt braucht, selbst wenn diese dürr sind. Allem Anschein nach löst sie ihren Hofgesang durch Knirschen mit den Kiefern aus. Ich gebe zu, bloss eine Tonaufnahme gehört zu haben. Ihr untersetzter Wuchs, ihr Auge, das gestreift zu sein scheint, und die Farbe der Flügel genügen, um sie mit Sicherheit zu bestimmen. Es ist eine für Trockenrasen typische Art, die 1000 m kaum übersteigt, es seien denn gut exponierte Lagen wie beispielsweise diejenigen von Liddes und Evolène.

In der Schweiz sind diese Arten besonders selten, im Wallis aber reichlich vorhanden. Dagegen wurde die äusserst seltene Kreuzschrecke mit den orange-roten Flügeln in der Schweiz nur noch in Combioula gefunden! Die bunten Heuschrecken nützen ihre Tarnfarben zu ihrem Schutze aus: in absoluter Unsichtbarkeit warten sie die letzte Sekunde ab, bevor sie fliehen, und das tun sie dann mit einem klickenden Satz, der das Ohr reizt und das Auge verwirrt, aber der Farbfleck verblasst, bevor sie sich mit geschlossenen Flügeln setzen und verschwinden... Anstatt sie immer wieder aufzuscheuchen, sollten Sie schauen, wie sie ihre Fühler putzen oder vorwärtsschreiten mit erhobenen, immer zum Sprung bereiten Hinterbeinen oder auf den Fussspitzen, um der Bodenwärme zu entgehen.

Die Westliche Beissschrecke, eine dicke gräuliche Heuschrecke mit gut entwickelten Flügeln, die von dunklen und hellen Flecken gezeichnet sind, ist in allen Steppen zu Hause und bewohnt trockene Brachen mit Gräsern, die Flachsfasern gleichen. Sie ist im Wallis stark verbreitet und die Hauptbeute des Kleinmausohrs, das seine Nahrung am Boden fängt.

Einige kleine Grashüpfer der Gattung Chorthippus, unscheinbar und kaum zu unterscheidenden, erkennt man nur an ihrem Gesang: der Braune Grashüpfer lebt an Böschungen von Strassen und Wegrändern. Von ihm hört man vereinzelte srrr schon im März, während der Verkannte Grasshüpfer seine srrr srr srr rr rrrr rrrrr bis spät in den Herbst ausstösst, an gut exponierten Lagen sogar bis Januar und Februar, und der NachtigallGrashüpfer rollt trocken und monoton: ttttttrrrrrrrt.

...in Gärten, ...

Die Gebirgsbeissschrecke lebt in hohen Gräsern sowie auf Heiden am oberen Rand der Wälder.

Die Dornschrecken sind seltsame Geradflügler von winziger Gestalt, die man umso eher übersieht, als sie nicht singen. An nackte oder moosbedeckte Böden angepasst, sind sie die einzigen Geradflügler, die im Erwachsenenstadium überwintern können. Also gehören sie auch zu den ersten Arten, die man im Frühling bemerkt, wenn die anderen Heuschrecken erst am Ausschlüpfen sind. Diese Gruppe zeichnet sich durch eine Rückenplatte aus, die sich nach hinten fortsetzt, über die Flügeldecke hinaus, dem Kiel eines umgekehrten Schiffes nicht unähnlich. Die am meisten verbreitete Gemeine Dornschrecke besucht sogar Gemüsegärten, vorausgesetzt, es regnet nicht Insektizide. Der Leser hat nichts zu befürchten, die Moos- und Flechtenfresser tun dem Salat nichts an.

...in den Bergen

Eine kräftige Heuschrecke findet sich auf Magerwiesen mittlerer Berglagen: Die Rotflügelige Schnarrschrecke, die mit ihrer dunklen Färbung und dem gekrümmten Genick an einen Stier gemahnt. Das imposante Weibchen ist seiner kurzen Flügel wegen an den Boden gebunden. Dafür fliegt das Männchen für zwei, denn es stösst sein Hochzeitssignal in der Luft aus, ein Signal für Auge und Ohr: ein kräftiges frrrrrttt, begleitet von einem wahren Feuerwerk der lebhaft rotgefärbten Flügel. Ein wichtiges Detail: im Gegensatz zu den Ödlandschrecken, die stets auf dem Boden landen, kann es sich auch auf Gräsern oder Büschen absetzen.

Die Schnarrschrecke ist vorwiegend auf gut exponierten Hängen zwischen 1000 und 2200 m ü. M. zu Hause und lebt in der Ebene im Föhrenwald von Pfyn.

Die Sibirische Keulenschrecke lebt zwischen 2000 und 3000 m ü. M. Das Männchen erkennt man an den dicken Vorderarmen.
Die dem kalten Klima angepasste Gewöhnliche Gebirgsschrecke steigt auf mindestens 2600 m. Als ob die kurze Jahreszeit sie zur Eile drängen würde, treten sie oft in übereinanderliegenden Paaren auf.

In höheren Lagen betreten wir das Gebiet der Berggattungen: auf Trockenheiden zwischen 900 und 1000 m ist die Gebirgsbeissschrecke zahlreich vertreten. Auf der Sonnenseite ist sie häufig von Warzenbeissern begleitet. Bei der Alpinen Gebirgsschrecke, einer glänzend grünen Bergheuschrecke mit schwach entwickelten Flügeln, ist das Männchen sehr viel kleiner als das Weibchen.

Ende August leben so viele Heuschrecken auf den Alpweiden, dass es schwierig ist, sie nicht zu zertreten. Wenige Arten überleben oberhalb von 2000 m: die Sibirische Keulenschrecke verdankt ihren lateinischen Namen den dicken Vorderarmen (aeropus = lufterfüllte Füsse). Man erkennt sie auch an den breit endigenden Fühlern. Sie lebt kaum unter 1900 m, steigt aber bis zu den letzten Rasenplätzen auf wie die Nordische Gebirgsschrecke mit den reduzierten Flügeln. Ihre Weibchen (2,5 cm) sind kräftig, schwerfällig und viel massiver als die Männchen (1,5 bis 2 cm). Einen Teil ihres wissenschaftlichen Namens verleugnend, hat Melanoplus frigidus die gleiche Gewohnheit wie die Gewöhnliche Gebirgsschrecke, nämlich sich wild und leidenschaftlich zu paaren, als ob die kurze Bergsaison sie dazu zwingen würde. Nehmen wir an, der Wissenschafter, der ihr den Namen gab, habe nicht zweimal Sibiricus für zwei verschiedene Arten verwenden wollen. Die Gewöhnliche Gebirgsschrecke mit den blauen Hinterbeinen ist auf Alpweiden ebenfalls häufig. Einige wiesenlebende Arten steigen auch recht hoch: das ist der Fall für den Gemeinen Grashüpfer, der fette Weiden vorzieht, und den Heidegrashüpfer, der sich auf trockenen Halden bis auf 2600 m ü. M. einfindet.

Dann noch einige ganz kleine Grashüpfer mit stumpfem, oft schwarzem Maul: der Buntbäuchige Grashüpfer verdankt seinen Namen der Tatsache, dass seine Ventralseite die Bestimmung ermöglicht: er ist der einzige mit Rot und Grün gefärbtem Bauch und weissen Tastern am schwarzen Kopf. Hören Sie gut hin: der Bunte Grashüpfer hat sozusagen einen "langen Atem", denn sein Rasseln — kann man das lange trtrtrtrtrtrtrtrtrtrtrtrtrtrtrtrtrtrtrtrtrtrtrtrtrtrtrtrt trtrtrtrtr anders bezeichnen? — dauert zwanzig bis dreissig Sekunden, während der Buntbäuchige Grashüpfer sich mit fünf Sekunden begnügt und weniger laut singt.

Sagten Sie Grillen ?

Die Feldgrille, dick, schwarz, glänzend, mit langen Fühlern wie die Heuschrecken, aber untersetzter als diese, lebt in einem eigenen Erdbau: darin überwintert sie, dahin zieht sie sich im Sommer zurück, an Schlechtwettertagen oder im Falle einer Gefahr. Der Erdbau, 30 bis 50 cm tief, dient weder der Eiablage noch der Aufzucht der Jungen. Weil die Erwachsenen im Sommer sterben, sind für die Neuankömmlinge im Herbst Erdlöcher verfügbar. Darin verbringen diese den Winter als fast ausgewachsene Larven. Durch die ersten warmen Frühlingstage werden sie geweckt, häuten sich noch zweimal und singen bereits im März an den Sonnenhängen von Chermignon oder auf den Wiesen unterhalb von Mase. Weil die Feldgrille eine Bewohnerin von Wiesen und Weiden ist, meidet sie Steppen, Äcker und Wälder. Sie zirpt bis in Höhen von mindestens 1700 m, so in Eison. Vielleicht steigt sie noch höher.

Mit ein wenig Geduld lässt sich feststellen, dass das typische zri-zri der Grille ein Lockruf ist: sobald ein dadurch angelocktes Weibchen auftaucht, ändert das Männchen die Melodie und geht zum Hochzeitsgesang über, der viel leidenschaftlicher und spitzer der Paarung vorausgeht. Die Eiablage erfolgt ab Juni, und die Larven schlüpfen nach zwei Wochen.

Das Heimchen erfüllt die Häuser mit seinem Zirpen, das demjenigen seiner Feldkusine gleicht. Man hört es gelegentlich mitten in der Stadt aus Kellerlöchern. Es sucht Kehrichtablagen auf, um dank der Gärungswärme auch im Winter aktiv zu sein.

Das Weinhähnchen zeichnet sich durch einen melancholischen Gesang aus. Da es wärmeliebend ist, lebt es auf Büschen der Trockenzonen und übersteigt in den günstigsten Lagen kaum 1200 m ü. M. Es ist vorwiegend nachtaktiv und verwirrt seine Feinde durch gedämpften Gesang, der schwer zu orten ist.

In der Streu ist die kleine, schwarze Waldgrille heimisch. Man begegnet ihr auch in Hecken und einigen Hochstammkulturen. Ihr Gesang gleicht demjenigen des Weinhähnchens, ist aber weniger melodiös und diskreter. Am Fuss der Sasse in Bagnes erfüllt sie an Septemberabenden den Klangraum der Nacht. Ihr Lebenszyklus erstreckt sich über zwei Jahre, und so kann es geschehen, dass sie im Winter in warmen Föhren- oder Eichenwäldern der Sonnenhänge singt.

Siehe auch