Nachtkonzerte

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Alfred Richard sammelte 1914 14 kg Knochen aus einem Uhu-Horst im Bagnes-Tal. Mit viel Geduld gelang es ihm, 1103 Wühlmäuse, 5 Gartenschläfer, 3 Waldmäuse (Foto) und 115 Grasfrösche (Zeichnung) zu bestimmen.

Wenn die Sonne untergeht, erwacht die heimliche Welt der Nachtaktiven: Hirsche, Füchse, Dachse, Steinmarder, Wühlmäuse, Gartenschläfer, Fledermäuse, Eulen und Käuze. In dieser unauffälligen Welt erlauben lediglich Dämmerung und Vollmond Beobachtungen: ein aus dem Wald tretendes Reh, ein Fuchs, der sein Revier markiert. Das ist der Zeitpunkt, die Sprache der Nacht zu erlernen. Das Jahr der Nachtaktiven beginnt im Spätherbst, wenn junge Waldkäuze mit noch unsicherer Stimme einsetzen, Siebenschläfer und Gartenschläfer zu schreien beginnen. Im Oktober lassen Uhu und Sperlingskauz von sich hören. Es ist die Zeit der Brunft der Hirsche, des grossen Schauspiels vor der Stille des Winters.

Der Januar beginnt mit dem Gebell läufiger Füchse und der zweiten Gesangsrunde der Uhus tieferer Lagen. Der Februar wird mit der Partitur der Waldohreule und des Waldkauzes angezeigt. Der Rauhfusskauz singt leise, der Luchs ist brünstig. Im März, wenn der Sperlingskauz seine Stimme wiederfindet, singen alle die genannten Vögel noch. Der April bringt nur noch die endlosen Strophen der Ledigen, während Waldschnepfen, Zwergohreulen und Nachtschwalben zurückkehren. Nach der stillen Aufzucht der Brut im Mai und Juni verraten sich im Juli und August die Familien durch die monotonen Schreie der zwar noch abhängigen, aber flüggen Jungen, die damit den fütternden Eltern ihren Standort anzeigen.

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