Nadel- und Laubbäume

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Die Haubenmeise ist angewiesen auf Nadelbäume.
Laubbaumvögel: Nonnenmeise, Kernbeisser

Waldbaumläufer und Gartenbaumläufer, zwei scheue Baumbewohner, sehen sich sehr ähnlich. Aufgrund ihrer geographischen Verbreitung darf man annehmen, dass der zweite, der von der Eiszeit in den Mittelmeerraum verdrängt worden war, sich den Laubwäldern anpassen musste, wogegen der erstere in den Nadelwäldern Asiens überlebte. Die allmähliche Klimaerwärmung ermöglichte dem Waldbaumläufer, England zu erreichen, bevor das Meer anstieg. Der Gartenbaumläufer blieb den wärmeliebenden Wäldern verhaftet, sodass er die Landbrücke des Ärmelkanals nicht mehr bezwingen konnte, bevor sie überflutet war.

Seither lebt der aus der Kälte gekommene Baumläufer vornehmlich in den hochgelegenen Nadelwaldungen, während der Gartenbaumläufer in der Hügelzone bleibt.

Ähnliches erlebten die Klappergrasmücke und die Dorngrasmücke. Zur Eiszeit zogen sich ihre Ahnengenerationen höchstwahrscheinlich in zwei getrennte Regionen Südeuropas zurück. Die isolierten Populationen entwickelten sich unterschiedlich: heute leben Klappergrasmücken in Osteuropa und in Höhenbiotopen, Dorngrasmücken aber in den Brachen der Ebenen vornehmlich Westeuropas. Erstere erreichen im Winter den Süden über den Bosporus. Letztere kehren im Frühling von Gibraltar her zu uns zurück. Wahrscheinlich folgen sie so ihren damaligen Fluchtwegen.

Schliesslich sei noch der Kleinste unserer Vögel erwähnt, das nicht mehr als fünf Gramm schwere Wintergoldhähnchen. Es lebt während des ganzen Jahres in den Nadelwäldern, immer angeklammert an die äussersten Zweiglein, sodass es dem Beobachter entgeht, wenn dieser nicht den hohen, dünnen Gesang kennt. Im Winter gesellt es sich gerne zu den Meisen. Sein Vetter, das Sommergoldhähnchen, zieht Laubwälder vor: es lebt darum in tieferen Regionen und muss uns im Winter verlassen.

Siehe auch