Sümpfe der Vögel

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Egli

Im Mai laden uns die noch wenig entwickelte Vegetation und die übersprudelnde Lebenskraft der Wasservögel zum Besuch der Sümpfe ein. Unsere Bergsümpfe haben nicht die Reichhaltigkeit derjenigen Skandinaviens, wo Myriaden von Mücken, die Mitternachtssonne und die weiten Flächen Enten und Gänse, Wasserläufer und andere Strandläufer begünstigen. Bei uns muss man in den Röhrichten der Ebene, die dem Botaniker langweilig erscheinen, oder an den Ufern fischreicher Weiher Enten und Reiher, Lappentaucher und Rohrsänger aufsuchen.


Unser schönstes Sumpfgebiet

Die Luftaufnahme von Pouta-Fontana zeigt die Grosseggenriede und die breiten Schilfgürtel, die den Weiher umgeben, sowie die Auenwälder entlang des Kanals und der Rhone.

Vom Rebberg von Pramagnon herunter genügt ein einziger Blick, um das grösste und bekannteste Naturreservat des Wallis, Pouta-Fontana, als Ganzes zu erfassen. Ausgedehntes Röhricht bedeckt drei Viertel der Gegend, eine Grosseggenriede bezeichnet das Ostufer des Weihers, nahe einer Beobachtungsstation, und deutet die Schwankungen des Wasserstandes des durch eine Schleuse regulierbaren Sees an. Erlen- und Weidengehölz streiten sich um die weniger nassen Gelände flussaufwärts und um einige höher gelegene Kanalufer. Jedes Biotop nimmt seine Spezialisten auf: das Röhricht die Wasserrallen, Rohrammern und Teichrohrsänger; der Wald die Biber, Pirole, Waldlaubsänger und Kleinspechte; der Rand des Weihers die Zwergtaucher, Stockente, Blässhühner und Teichhühner sowie gelegentliche Besucher wie Kormorane, Krickenten, Tauchenten, Wasserläufer und Bekassinen. Kein anderes Sumpfgebiet im Wallis empfängt soviele Vögel so verschiedener Arten.

Die grossartige Landschaft mit dem Bietschhorn, das sich im Wasser spiegelt, die besondere Stimmung, wenn sich der Abend über das von Leben erfüllte Röhricht senkt, der Titel "Zeuge der Ebene von einstmals" machen aus dem Reservat von Grône ein sehr schönes Überbleibsel, in welchem man allerdings vergebens nach einem Seerosengürtel, einem Kleinseggenried, einem Torfmoor oder einer Schlammzone suchen würde.

Mehrere Fischarten, die auf das Rhein- und Po-Becken begrenzt leben, oder solche, die an Seen und ruhige Flüsse des Mittellandes gebunden sind, drangen nie ins Wallis ein. Eindämmungen und Fassungen haben die natürliche Armut unserer Fischfauna verstärkt. Pouta-Fontana, die Seen von Kiesgruben und einige Weiher enthalten heute Hechte, Alet, Rotfeder, Egli, Karpfen und Schleien, von denen mindestens ein Teil ausgesetzt wurde. Sogar die Anwesenheit des berühmten Stichlings in unseren kleinen Entwässerungskanälen ist das Ergebnis einer Aussetzung. Sprechen wir nicht vom Goldfisch !



Altes und Neues

Rohrweihe

In der Ebene von Leuk deutet eine Reihe Weiher, die durch Kiesausbeutungen entstanden, einen alten Rhonelauf an. Die Landwirtschaft darum, insbesondere Mähwiesen, die im Frühjahr oft überschwemmt werden, ergänzt den bescheidenen Sumpf und lockt zahlreiche Zugvögel an: Wasserläufer und Weihen ernähren sich hier während einigen Tagen auf der Durchreise. Die andern Feuchtbiotope der Rhoneebene wie Brigerbad, Turtig, Fluelakanal bei Leuk, Pfyn, Ardon, Saxon, Vionnaz und Montorge verfügen nicht über eine Pufferzone, die genügend attraktiv wäre, um ihre geringe Oberfläche und ihren Mangel an Vielfalt auszugleichen.

Die kleine Sumpffauna kann sich noch auf ein paar künstliche Orte verlassen: Kiesgruben, Wasserfangbecken der Autobahn, verschiedene private Weiher und Kanäle. Doch an den meisten Orten wird intensive Pflege betrieben, sodass sich nur einige gemeine Pionierarten einfinden. Dennoch, in der verlassenen Kiesgrube von Verney bei Martigny zählte man schon gegen 30 Libellenarten und den Besuch von mehr als 170 Vogelarten !

Die Rhone, die durch den grossen Schwemmkegel des Illbaches gebremst wird, mäandrierte früher in der Ebene von Leuk. In ihrem alten Lauf entstanden Kiesgruben, die sich in eine Reihe von Weihern verwandelten.

Siehe auch