Zug der Saatkrähen

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Saatkrähen

Im November kann man die letzten Zugvögel beobachten: Sperber, Kiebitze, Ammern, Krähen. Am eindrücklichsten ist im Mittelwallis der Zug der Saatkrähen und Dohlen, der im September beginnt, im Oktober den Höhepunkt erreicht und im November endet. Diese Krähen verschieben sich oft in grossen, gut sichtbaren Formationen, die einige Dutzend bis einige Hundert Vögel umfassen können, die man mit Alpendohlen verwechseln könnte. Der grosse Haufen der Zugvögel fliegt über den rechtsufrigen Weinbergen das Wallis abwärts, gelegentlich in Höhen bis 2000 m, dann wieder tiefer. Vermutlich gelangen sie vom Vorderrheintal her über die Furka ins Wallis. Doch das muss noch überprüft werden, denn es ist nicht ausgeschlossen, dass ein Teil von ihnen über die Grimsel oder Gemmi kommt. Die "Charter" folgen sich in wechselndem Rhythmus. Am Rhoneknie angelangt, verhalten sich die verschiedenen Gruppen unterschiedlich, was möglicherweise von den momentanen meteorologischen Bedingungen abhängt. Einige setzen den Flug über das Rhonetal nach Süden fort und überfliegen den Mont-Chemin in Richtung Grosser St. Bernhard. Andere schwenken ab, zum Chablais zurück. Man weiss nicht, ob sie über Bretolet oder über den Genfersee ziehen. Im letzteren Falle würden sie sich mit der grossen Zahl der Zugvögel vereinigen, die aus dem schweizerischen Mittelland oder den Jurasüdhang entlang kommen und sich in der Enge von Fort de l'Ecluse unterhalb von Genf zusammenschliessen. Dann gibt es noch jene, die einen mittleren Kurs wählen, Martigny überfliegen, zur Combe aufsteigen und über den Forclaz- und Balme-Pass südwestwärts Richtung Chamonix fliegen.

Die Saatkrähen machen gelegentlich auf den Wiesen oder gepflügten Feldern, vornehmlich in der Rhoneebene bei Leuk, Charrat oder Collombey, aber auch am Hang wie beispielsweise in Icogne Halt, um sich von Maiskörnern und liegengebliebenen Getreidekörnern zu ernähren. Man unterscheidet sie von den Rabenkrähen, durch den bei den erwachsenen Vögeln federfreien Schnabelansatz und durch die lose Schenkelbefiederung, die den Anschein von Höschen erweckt. Im Herbst 1989, als ich eine Gruppe beobachtete, die gegen Abend auf einem gepflügten Feld bei Epinassey Nahrung suchte, erlebte ich einen wahren "Krähenregen". Hoch vom Himmel stürzte sich eine ganze Flugschar zwischen die schon engbesetzten Reihen derjenigen am Boden, wahrscheinlich angelockt von den schwarzen Flecken oder den Schreien ihrer Artgenossen. Erst bei Nachteinbruch flogen sie alle zusammen still weg zum Hang von Agaune. Einige Minuten später widerhallten im Städtchen St. Maurice die rauhen Rufe der Krähen aus den Wäldern hoch über den Felswänden. Man hätte bei Tagesanbruch zurückkommen müssen, um ihren Abflug zu beobachten.

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