Revolutionen

Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts vollzogen sich im Wallis eine Reihe von Revolutionen, die eine prägende Wende in der Walliser Geschichte herbeiführten. Ohne dass sich die Menschen dem genauen Ausmass dessen bewusst waren, was sich in den Tiefen der Gesellschaft vollzog, begann eine Welt zu kippen. Die Revolutionszeit gilt in der Tat als Übergangszeit zwischen dem sich dahinziehenden Mittelalter und der so genannten Neuzeit, deren grundlegend andere Eigenschaften sich schrittweise abzeichneten.

Es ist festzuhalten, dass es in vielen wesentlichen Bereichen (z. B. Demografie oder Wirtschaft) noch keine spektakulären Veränderungen gab. Die grosse Mehrheit der Walliser lebte beispielsweise von den Erzeugnissen einer Landwirtschaft, die immer noch nach jahrhundertealten Grundlagen funktionierte. Erst mit der Erschliessung durch die Eisenbahn, Mitte des 19. Jahrhunderts, wurden die Veränderungen deutlich.

Die Französische Revolution (ab den 1790er-Jahren) hingegen, mit der Proklamation, der Mensch sei Herr seines Schicksals, führte eine neue Beziehung zwischen dem Einzelnen und der gesellschaftlichen Ordnung ein; sie machte die Politik zur Angelegenheit aller Bürger. Den Wallisern wurde folglich bewusst, dass eine Gesellschaft auf rationalen Grundlagen aufgebaut und durch den Begriff des Allgemeinguts gelenkt werden kann. So gehörten fortan sämtliche Aspekte des gesellschaftlichen Lebens in den Bereich der Politik. Die grossen Debatten handelten von Organisation und Funktionsweise der Macht, von Recht und Freiheiten, von der Verbesserung der Lebensbedingungen und von der Verbreitung der Bildung als Motor der Veränderung.

Die politischen Regierungsformen, welche die Geschicke des Kantons ab 1798 lenkten, nahmen sich zunehmend der Bedürfnisse der Bevölkerung an und passten sich mehr und mehr den Veränderungen an, die sich seit Jahrzehnten in der Gesellschaft abzeichneten. Die politischen und sozialen Eliten selbst definierten sich fortan in Bezug auf diese Problematik und gaben sich durch ihr Eintreten für gemeinschaftliche Interessen eine neue Legitimität. Der Fortschritt, der noch seine utopische Bedeutung hatte, war sowohl ein anzustrebendes Ziel als auch eine Art, die Gegenwart auf eine bessere Zukunft auszurichten.

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