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Die Römerzeit in den Alpen stand im allgemeinen Kontext einer Warmzeit, die sich in der La-Tène-Zeit anbahnte. Sie zeichnete sich durch einen ausgeprägten Gletscherrückgang, den Anstieg der Waldgrenze und geringe Niederschlagsmengen aus, sodass diese Zeit trotz periodischer wie regionaler Schwankungen für Alpenüberquerungen günstig war.

Für die Römer waren die Alpen eine Schranke gegen die jenseits der Berge angesiedelten Völker. Auch nach der Eroberung Südgalliens gehörte die Einnahme der Alpentäler nicht zu ihren vorrangigen Zielen. Zum Erlangen des Durchgangsrechts zogen sie es gewöhnlich vor, mit den Notabeln oder örtlichen Herrschern zu verhandeln, statt Gewalt anzuwenden. Waffengewalt wurde nur ausnahmsweise angewendet, wie bei der Schlacht von Octodurus im Jahr 57 v. Chr.; dabei ging es um die Kontrolle der Route über den Grossen Sankt Bernhard und nicht etwa um die Eroberung neuer Gebiete.

Die archäologischen Überreste belegen keinen Bruch zum Zeitpunkt der Integration des Wallis ins Römische Reich: Die Siedlungsorte blieben gleich. Die vier einheimischen Völker bildeten vorerst separate Einheiten im Poeninischen Tal (nach dem einheimischen Gott Poeninus, der auf dem Grossen Sankt Bernhard verehrt wurde). Die Römer hatten eine wirkungsvolle Integrationspolitik: Zur Stützung ihrer Macht liessen sie den einheimischen Notabeln zahlreiche Vorteile zukommen. Auf diese Weise wurde die römische Lebensweise – Kleidungs- und Essensgewohnheiten, Komfort, Bauweise usw. – allmählich und ohne Zwang eingeführt. Der Einfluss Roms war im Wallis jedoch nicht überall gleich stark verbreitet: Ausgrabungen haben belegt, dass die am stärksten romanisierten Orte an der Route des Grossen Sankt Bernhard lagen. Andernorts änderte sich das Leben im Vergleich zu früheren Perioden nicht merklich.

Bibliographie #

  • Histoire du Valais, Annales valaisannes 2000-2001, Sion, 2002

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